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Leserbrief zur Abstimmung «ZPP Alpina»

In der Gemeindeabstimmung vom 24. September können sich die Stimmberechtigten von Burgdorf zu einer ungewohnt fachlichen Frage des revidierten Baurechts äussern. Ein Referendumskomitee verlangt einzig und allein für das Alpina Areal eine Ausnahme des geltenden Baureglements. Die Möglichkeit eines zusätzlichen Stockwerks soll auf dem Areal vor ihrer Haustüre nicht zur Anwendung gelangen. EVP-Grossrat und Architekt Martin Aeschlimann hat dazu einen Leserbrief geschrieben, den wir hier publizieren:

Eine Fotomontage der Gegnerschaft zeigt eine lange fensterlose Wand, deren abschreckende Wirkung mit der Metapher einer Staumauer zusätzlich erhöht wird. Handelt es sich hier um private Interessen von Betroffenen oder legen die Gegner den Finger auf einen wunden Punkt der Stadtplanung? Die Befürchtungen, die neue Bauordnung führe nun zu endlosen Strassenschluchten oder gar zu einem städtebaulichen Unfall auf dem Alpina-Areal sind unbegründet. Der weitgehende Verzicht auf neue Einzonungen lenkte das städtische Wachstum in den letzten Jahrzehnten nach innen. Burgdorf verfügt dadurch über eine bewährte Tradition der Innenverdichtung und die notwendigen Instrumente, um die städtebauliche Qualität zu sichern. Denn eine hohe Dichte stellt auch hohe Anforderungen an die Qualität der Bauten und Aussenräume. Die Überbauungen Suttergut Süd, Strandweg und Steinhof zeigen beispielhaft, wie auch mehrgeschossige Baukörper mit hoher Ausnutzung, in städtebaulich verträglicher Weise, in die Stadtstruktur eingefügt werden können. Der Einwand, die vorgesehene Dichte sei im Alpina-Areal nicht quartierverträglich, muss angesichts der grossvolumigen mehrgeschossigen Baukörper der ehemaligen Käsefabrik relativiert werden.

Wenn die bauliche Verdichtung in der eigenen Nachbarschaft stattfindet...

Mit dieser Abstimmungsvorlage ist die landesweite Debatte um Zersiedelung und Verdichtung in der Gemeinde angekommen. Das revidierte Raumplanungsgesetz des Bundes gibt die Richtung vor: Die Siedlungsentwicklung soll konzentriert und nach innen gelenkt werden. Das Prinzip, auf den wachsenden Platzbedarf mit dem Ausscheiden neuer Bauzonen zu reagieren, ist Geschichte. Diesen Grundsatz haben die Stimmberechtigten der Schweiz in den letzten Abstimmungen mehrmals bestätigt. Die grundsätzliche Zustimmung für den Schutz der Landschaft vor Zersiedelung wird jedoch dann auf die Probe gestellt, wenn die bauliche Verdichtung in der eigenen Nachbarschaft stattfinden soll. Die neuen Ziele in der Raumplanung stellen Behörden und Planende vor neue Herausforderungen: Die dichtere Bauweise muss der Akzeptanz der Quartierbewohner und den qualitativen Aspekten gerecht werden. Dem Dialog mit der Bevölkerung kommt dabei eine grössere Bedeutung zu. Es braucht eine Verständigung auf die wesentlichen Qualitäten eines Quartiers, damit neue Überbauungen einen Beitrag zu einem attraktiven Lebensraum leisten können. Ich bin dennoch zuversichtlich, dass eine verträgliche Stadtentwicklung in Burgdorf weiterhin gelingen kann.

Text: Martin Aeschlimann Architekt, Grossrat, Mitglied Bau- und Planungskommission des Kantons